Der Traum vom Daytrading

In einem Anflug von Frust habe ich mir das Buch Daytrading für Einsteiger: Finanzielle Freiheit durch Erfolg an der Börse von Thomas Dahlmann gekauft.

Die Vorstellung ist verlockend: Mit einem gewissen Kapitalstock am Computer einfach seinen Lebensunterhalt verdienen. Wer hätte diese Option nicht gerne?

Das Buch bietet allen Interessierten in angenehm kurzbündiger und zielgerichteter Sprache erste Informationen für den Start. Wie enstehen Preise an der Börse? Was brauche ich an Hardware und Software als Daytrader? Mit welchen Renditen kann ich rechnen und welche Qualitäten sind gefordert, wenn ich langfristig Erfolg haben will?

Auf all diese Fragen gibt das Buch eine schlüssige Antwort. Es bietet neben Ratschlägen auch ein paar konkrete Zahlen mit denen der Leser überschlagen kann, was z.B. an Startkapital notwendig ist.

Thomas Dahlmann schreibt, gute Trader würden ca 20% Rendite p.a. erreichen. Das klingt auf den ersten Blick nach viel.  Bedenkt man jedoch, dass Daytrading im Wesentlichen eine Vollzeittätigkeit ist, scheinen mir die 7-9% p.a., die langfristig mit einem diversifizierten Indexfonds-Portfolio erreicht werden können, nicht allzu schlecht.

Bei einem Kapitalstock von 200.000€ könnten somit ca. 40.000€ brutto p.a. generiert werden. Nach Abzug von Steuern und Gebühren blieben wohl ca. 25.000€ netto. Mit 50.000€ mehr wird die Sache für einen sparsamen Single mit Einberechnung des Grundfreibetrags schon attraktiv. Doch diesen Kapitalstock muss man ersteinmal besitzen.

Thomas Dallmann empfiehlt Anfängern die Risikotoleranz pro Trade bei konservativen 0,5-1%, maximal jedoch bei 2% des Kapitalstocks zu belassen. Mit jedem Trade würde man also eine kleine vierstellige Summe aufs Spiel setzten, und das mehrmals am Tag.

Immer wieder betont der Autor die oberste Maxime des Kapitalerhaltes. Das Kapital ist letztlich das Handwerkszeug des Daytrader, wie die Kelle für den Maurer. Allzuoft verlieren jedoch gerade Anfänger die Geduld, lassen sich zu emotionalen Trades hinreisen und verlieren rasch ihr Geld.

Das Buch ist eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre, was sich in den durchweg positiven Amazon-Rezensionen wiederspiegelt. Der Autor weckt beim Leser die Phantasie, ganz bequem mit dem Laptop unter Palmen Geld zu verdienen, weißt an den entscheidenden Stellen aber darauf hin, wie viel Arbeit nötig ist um sich solch einen Traum erfüllen zu können. Denn Kapital ist das eine, Disziplin, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Fleiß sind andere, wesentliche Dinge, die man als Daytrader mitbringen muss.
Letztlich wird im Buch klar, dass auch beim Daytrading nicht das schnelle Geld locken sollte. Denn wer darauf aus ist, wird schnell viel verlieren.

Für mich bietet Daytrading aktuell keine Alternative und auch keine sinnvolle Ergänzung zu meinem Portfolio. Ich habe letztlich zu wenig Zeit um mich umfassender mit der Materie zu beschäftigen und würde eher Verluste einfahren, denn meine Rendite zu verbessern. Wer sich mit dem Thema Daytrading näher beschäftigen will, dem sei das Buch jedoch wärmstens empfohlen.

Weitere Buchrezensionen gibt’s unter der Sparte „Finanzliteratur“

3 Gedanken zu “Der Traum vom Daytrading

  1. Meine finanzielle Freiheit schreibt:

    Hi,
    Diesmal habe ich eine deutlich konträre Meinung: Es mögen ja viele Wege zur finanziellen Freiheit führen, doch habe ich große Zweifel, dass Daytrading ein sinnvoller Weg ist. Allein das Renditeversprechen von 20% Performance p.a. spricht dafür, dass im Vergleich zur Marktrendie überdurchschnittliche Risiken eingegangen werden müssen. Es wir also sicher nicht nachhaltig gelingen, diese Performance zu erzielen. Das Risiko wird irgendwann schlagend werden. Zudem wage ich zu bezweifeln, dass der Arbeitsaufwand (mehrere Trades pro Tag) in einem sinnvollen Verhältnis zu erzielten Überrendite steht.
    Ich hoffe daher sehr, dass sich niemand mit €200.000 auf den Weg macht um mit Daytrading (egal entlang welcher Strategie) finanziell frei zu sein/werden.
    Viele Grüße
    MFF

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    • meinkleinesdepot schreibt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Für mich war das Buch der erste Kontakt mit dem Thema Daytrading. Die Zahlen habe ich aus dem Buch und mit diesen dann ein wenig gerechnet. Für mich ist Daytrading keine Option und vielleicht beleuchte ich im Artikel zu wenig die Risiken. Ich finde das Buch eine gute Einstiegslektüre für Interessierte, gerade weil der Autor auch explizit auf Risiken hinweißt und sehr für Kapitalerhalt plädiert.
      Grüße

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      • Meine finanzielle Freiheit schreibt:

        Hi,
        Mein Kommentar war nicht als Kritik an Deinem Artikel gedacht, sondern sollte zum Nachdenken über die Strategie ganz grundlegend anregen 🙂
        Insofern bin ich ja froh, dass Daytrading keine Option für Dich ist!
        Viel Erfolg und LG
        MFF
        PS: Wenn Du Interesse an einer wechselseitigen Verlinkung unserer Blogs hast, melde Dich gern direkt bei mir (meinefinanziellefreiheit@gmail.com) – ich fand irgendwie keine E-Mail von Dir…

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