Über leuchtende Äpfel und teure Macbooks

Vor ein paar Tagen hatte ich über die letzten Quartalszahlen von Apple geschrieben. Vergangene Woche dann, am Donnerstag wurde die neuen Macbooks vorgestellt.
Über die letzten Tage habe ich mich in diversen Foren rumgetrieben, Kommentare gelesen und erste Hands-On Videos angeschaut, um mir ein Bild von den neuen Laptops zu machen.

Ich habe selbst ein 15,4 Zoll Macbook Pro aus dem Jahr 2013, 8GB Ram, ein 2,0 Ghz Quadcore, keine dedizierte Grafik. Neben meinem iPhone ist der Laptop wohl der am häufigsten genutzte Gegenstand den ich besitze. Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden. Das Display ist top, die Leistung mehr als ausreichend. Das Teil ist schnell, groß aber leicht und der Akku hält ca. einen halben Tag, für mich ist das ausreichend. (Nebenbei hab ich noch einen Desktop mit Windows 10, den ich nicht hergeben würde).

Das Macbook habe ich vor 2 Jahren, Mitte 2014 bei ebay über einen Gebrauchtwarenhändler gekauft, nachdem mich bei Amazon jemand übers Ohr gehauen hatte. Amazon hatte mir, nachdem ich vom Kaufvertrag  zurückgetreten war, innerhalb von 2 Tagen das Geld auf mein Konto zurücküberwiesen. Der Amazon-Service ist meinen Erfahrungen nach einer der besten im Online-Handel.
Das Macbook hat bei besagtem Ebay-Händler damals knapp 1400€ gekostet. Es war in tadellosen Zustand, der Akku praktisch neu. Das Gerät war noch nicht einmal registriert worden, ich hatte sogar noch ein paar Monate Garantie über Apple. Unterm Strich also ein gutes Angebot. Den Kauf habe ich nie bereut.

Nun bin ich ein technikaffiner Mensch und habe mich auf den Release der neuen Macbooks gefreut. Und, was soll ich sagen, ich bin enttäuscht.
Um gleich den für mich gravierendsten Punkt hervorzuheben: Der Preis. Das günstigste 15 Zoll MacbookPro kostet 2699€. Punkt. Für 2700€ netto muss man ca. 4800€ brutto verdienen. Das ist ne Ansage. Selbst mit 12,5% Education-Rabatt sinds immer noch mehr als 2400€.

Viele Kunden fühlen sich da veräppelt (hihi), vor allem diejenigen, die nicht in US-Dollar sondern in Euro oder aktuell noch schlimmer, in britischen Pfund bezahlen müssen. Preisaufschläge bis 500 Pfund, von heute auf morgen. Und das bittere ist: Die Preise werden regelmäßig bei entsprechender Kursentwicklung angehoben, dreht der Wind den Wechselkurs in die andere Richtung passiert erst einmal lange nichts. Es kommt quasi nie vor, dass ein Produkt aufgrund von Wechselkursentwicklungen günstiger gemacht wird.
Natürlich: Das neue ist insgesamt besser, es kann jetzt auch in schwarz bestellt werden, ist dünner, hat mehr Leistung, eine neue Touch-OLED-Leiste oberhalb der Tastatur, Touch-ID mit Apple-Pay, ein noch besseres, helleres Display und schnelle Ports (Thunderbolt 3, USB-C).
Aber Apple hat wieder einmal ausgemistet: Kein MagSafe, kein SD-Slot, keine USB-A Anschlüsse, keine Escape-Taste, eine unveränderte Akkulaufzeit und kein beleuchtetes Apple-Logo. Das neue Macbook ist eine konsequente Produktweiterentwicklung in der neuen, nicht mehr Steve Jobs geprägten Apple-Welt.

Und diese Entwicklung kann ich als Kunde nur eingeschränkt nachvollziehen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der MagSafe-Ladeadapter war genial: Ein magnetisches Ladekabel, dass verhindert, dass ein Laptop in Unachtsamkeit durch ruckartiges Ziehen am Kabel vom Tisch fällt. Das ist alltagsrelevante Technik.
Es mag albern sein, den beleuchteten Apfel zu vermissen, aber ich habe ihn liebgewonnen. Er spiegelt sich bei Nacht im Fensterglas und sieht einfach cool aus. Apple hat so viel kostenlose Werbung mit diesem leuchtenden Apfel auf Fotos vom Menschen mit Macbooks aus aller Welt machen können. Warum streicht man dieses ikonenhafte Symbol?

Womit wäre ich zufrieden gewesen? Ein 15-Zoll Basis-Modell in schwarz: Quadcore, 16GB Ram, interne GPU, neues Display, von mir aus auch ne neue Tastatur, 1 Stunde mehr Akku zu einem Preis von 2000€. Da wäre ich schwach geworden.

Ich habe in den letzten Jahren immer mehr das Gefühl, dass zu Lasten der Kunden, die Margen erhöht werden.
Und vielleicht steckt da das eigentliche Problem: Ich bin Kunde und Anleger zugleich und habe damit am Unternehmen Apple unterschiedliche Interessen. Als Kunde will ich gute, günstige Produkte. Als Investor, will ich ein erfolgreiches, Gewinn erwirtschaftendes Unternehmen. In der Vergangenheit waren beide Interessen aus meiner Sicht gewahrt. Mit der aktuelle Produktpolitik immer weniger.

Am Ende bleibt immer mehr der Eindruck, dass es Zeit wird sich als Anleger vom Unternehmen zu trennen, auch weil eine emotionale Bindung zum Unternehmen besteht, die in den allerwenigsten Fällen zu einer guten Rendite bei Investitionen führt.

 

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