Die Leiden des jungen Fremdwährungsanleihenbesitzers

Fremdwährungsanleihen sind eigentlich eine feine Sache. Sie bieten dem spießigen Mitteleuropäer die Möglichkeit seine hart verdienten Euronen auf eine kleine Weltreise zu schicken.

Meine Euronen sind nach Moskau ausgeflogen. Anfang des Jahres habe ich Rubel gekauft und zwar viele. Der Wechselkurs war über 85 zu 1, beim Nachkaufen immer noch über 75 zu 1. Und jetzt kommt’s: Länder mit diesem Wechselkurs zahlen meistens sogar noch einen saftigen Koupon, in meinem Fall über 7 Prozent. Klingt cool, oder?

Der Einstiegszeitpunkt war in der Rückschau betrachtet wohl nicht der schlechteste. Das ist der Euro-Rubel-Chart der letzten 3 Jahre:Bildschirmfoto 2016-08-05 um 16.33.52

Als ich die Anleihen kaufte, erinnerte ich mich an einen kurzen Stop-Over am Flughafen in Moskau 2012 inkl. US-amerikanischem kulinarischen Zwischenstop. Meine Mastercard rechnete damals den Kurs mit knapp 40:1 um. Schon ganz schön lange her.

Und so liefen meine Anleihen bisher sehr gut. Im Februar gab es pünktlich die erste Zinszahlung und der Rubel rollte sprichwörtlich.

In den letzten 2 Wochen drehte sich jedoch der Wind. Und wie das so ist, wenn sich der Wind dreht, dann denkt man ans verkaufen. Die Rendite wäre gut gewesen, also warum nicht jetzt raus? Über 10% in einem guten halben Jahr!
Man denkt in solchen Situationen weniger an Nachkaufen als an Verkaufen. Das Hirn will Sicherheit: Nimm was du hast, es ist genug. Und irgendwie stimmt das ja auch.

Kurzum, es ist nichts für schwache Nerven. Man beäugt argwöhnisch den Ölpreis, checkt häufig die Wechselkurse und fragt sich regelmäßig wie lange das noch gut geht. Auch blöd: Ganz entscheidend ist natürlich der Wechselkurz zum Zeitpunkt der Zinszahlung. Wenn’s dumm läuft verhageln einem 2 Wochen „falsche“ Wechselkursentwicklung die ursprünglich so geniale Rendite.

Mein Ziel war ursprünglich bei 65:1 auszusteigen. Mal schauen ob ich’s auch durchziehe, wenn der Kurs tatsächlich dort gelandet ist.

 

6 Gedanken zu “Die Leiden des jungen Fremdwährungsanleihenbesitzers

  1. Mein Geldanlage Vergleich schreibt:

    Hallo,
    es ist meiner Meinung nach schon sehr mutig in Fremdwährungen zu investieren,
    die Schwankungen können schon sehr groß sein. Natürlich kann ein großer Gewinn dabei rauskommen, aber genauso schnell kann irgendeine Krise hinzukommen und den schönen Gewinn in einen Verlust umwandeln. Bin mal gespannt wie dein Investment ausgeht. Wünsche dir aber weiterhin viel Erfolg dabei.

    Gruß Klaus-Dieter

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  2. meinkleinesdepot schreibt:

    Vielen Dank für deinen Kommentar!
    Stimme dir voll und ganz zu, es ist sicher riskant. Bisher lief es gut, aber es gab eben schon Phasen in denen sich angedeutet hat, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Ich werde hier auf jeden Fall weiter berichten.

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  3. finanziellefreiheit schreibt:

    Hallo,
    Wie schon der Vor-Kommentator meinte, ist das eine ziemlich riskante Strategie. Ich frage mich insb. ob der deutlich über den in Euro notierenden Anleihen liegende Zinssatz das Währungsrisiko ausreichend entlohnt. Vielleicht gäbe es ja auch eine in Euro notierende Anleihe, z.B. von Gazprom, wenn Du schon die Rendite des Russischen Staates/staatsnaher Betriebe haben möchtest.
    Eine weitere Alternative wäre natürlich in einen Emerging Market/BRIC-ETF zu investieren und so zu diversifizieren.
    Viele Grüße,
    FF

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  4. meinkleinesdepot schreibt:

    Vielen Dank für deinen Kommentar!
    Kann dir natürlich nicht wiedersprechen und der Artikel soll ja zeigen, dass solche Investments riskant und mitunter nervenaufreibend sind.
    Ich hielt damals den Einstiegszeitpunkt für gut, und bisher war es lohnenswert. In Euro notiert habe ich damals nichts gefunden. Mir ist durchaus bewusst, dass sich langfristig mit Währungsspekulationen (und das ist es ja letztlich) kaum Gewinn erzielen lässt, weil man mal gewinnt und mal verliert. Deine beschriebene Alternative habe ich in Anleihenform als ETF auf den JP Morgan EMBI im Depot, den ich für die VW-Hybrid-Anleihen gekauft habe 😉
    https://meinkleinesdepot.wordpress.com/2016/07/29/vw-verkauft

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