Wie ich mit Optionsscheinen Geld verbrannte

Viele Menschen die in irgendeiner Form Geld investieren, werden irgendwann gierig. Wahrscheinlich sind nur die wenigsten so trocken analytisch und unemotional wie sie gerne wären. Und so denken sich die meisten Leute wohl irgendwann: Das mit dem Vermögenszuwachs muss doch irgendwie schneller gehen.
Wie sich gezeigt hat, bin ich diesbezüglich keine Ausnahme.

Wer privat mit Hebelzertifikaten, calls und puts handeln will, der muss sich das meist erst bei seinem Broker freischalten lasssen. Ein paar Klicks später ist es dann soweit: Man hat die offizielle Erlaubnis Finanztermingeschäfte durchzuführen.

Meine Wahl fiel auf einen Call-Schein, also einen Optionsschein der darauf setzt, dass eine Aktie im Wert steigt, für das Unternehmen Apple. Ich hatte mich im Voraus über die Kennzahlen von Optionsscheinen belesen und meinte die wesentlichen Dinge verstanden zu haben. Ich rechnete ein wenig mit der investierten Summe und war letztlich überzeugt: Das läuft. Und wenn’s gut läuft: Wahnsinn, wie krass viel Kohle ich verdienen kann!

Wenn man sich den Apple-Chart heute anschaut, ist es schwer verständlich, wie man überhaupt mit Call-Scheinen Verluste machen konnte. Ich bin der lebende Beweis. Denn, was ich dramatisch unterschätzt hatte ist die zeitliche Komponente des erwarteten Kursanstiegs. Je nach Optionsschein muss die Aktie mehr oder weniger schnell an Kurs gewinnen, damit der Optionsschein durch die Decke geht. Bei nicht vorgesehenen Seitwärtsbewegungen der Aktie fällt der Kurs des Optionsscheins. Bei negativen Kursentwicklung der Aktie rast der Optionsschein gegen Null. Meine Optionsscheine waren folglich keine der gemäßigten Sorte, sondern welche mit Dampf und zwar in beide Richtungen.

Aber der Reihe nach: Am 14.03.2012 kaufte ich das erste Paket Optionsscheine von UBS zu einem Kaufkurs ca. 7€. Innerhalb von knapp 3 Wochen stieg der Kurs auf über 9€. Ich war beflügelt von meinem Investitionserfolg, verkaufte und realisierte einen satten Gewinn. Das Problem war: So konnte ich nicht aufhören. Ich hatte Blut geleckt. In gut 2 Wochen mehr als 25% Gewinn. Das schrie nach einer Zugabe.
Eine Woche später ein neuer Optionsschein, diesmal noch aggressiver, der Hebel größer und mein Investitionsvolumen auch. Ich stieg wieder ein, zu einem Kaufkurs von 4,30€.
Nach nur 1 Woche sackte der Kurs auf 1,7€ ab. Ich hatte die Hosen voll und verkaufte. In nur einer Woche mehr als 60% verloren. Ich war bedient.
Das Problem war jetzt: So konnte ich auch nicht aufhören. Dem initalen großen Gewinn stand nun ein noch größerer Verlust gegenüber. Es hieß, den erlittenen Verlust wieder wett zu machen. Insgeheim dämmerte es mir da bereits, dass das ganze wohl eine eher schlechte Idee gewesen war, aber ich wollte zumindest mein Experiment mit einer schwarzen Null beenden.
Also wieder belesen, den nächsten, etwas gemäßigteren Optionsschein rausgesucht und zu einem Kurs von 2,6€ wieder eingestiegen. Dieses Mal wollte ich mehr Durchhaltevermögen an den Tag legen, nahm mir vor, mich nicht von starken Kursbewegungen irritieren zu lassen. Abwarten und dann mit Gewinn raus hieß die Devise. Doch es half nichts. Nach einem knappen Monat war der Optionsschein noch 0,55€ Wert und ich zog zähneknirschend die Reisleine.

Der investierte Betrag war prozentual am Depotvolumen gemessen relativ klein. Doch mein Auflug in die Welt der Optionsscheine hatte dafür gesorgt, dass am Ende des Jahres in meiner Bilanz kein Plus sondern ein deutliches Minus stand.

Mich hat diese Erfahrung Demut gelehrt. Für mich persönlich habe ich die folgenden Schlussfolgerungen gezogen:

1.) Finger weg von Hebelzertifikaten, Optionsscheinen und Ähnlichem und damit
2.) kaufe nichts, was du nicht verstehst.
3.) Du wirst Verluste machen.
4.) Versuche nicht diese Verluste wieder wett zu machen, sondern lerne Verluste zu akzeptieren.

Ich habe heute realistischere Rendite-Erwartungen und einen längerfristigen Anlagehorizont. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr bereit bin Risiken einzugehen, aber ich bilde mir ein der Risiken besser bewusst zu sein und investiere etwas defensiver.
Und ich weiß heute, dass auch in Zukunft Verluste auf mich zukommen werden. Diese Verluste sind Bestandteil des ganzen Spiels. Sie gehören einfach dazu und mir haben sie geholfen meine individuelle Risikotoleranz besser einzuschätzen und meine Anlagestrategie zu verändern.

Und darum geht es letztlich: Das Anlageverhalten an die eigenen Lebensumstände, die finanziellen und psychologischen Ressourcen anzupassen, im Verlauf immer wieder neu zu justieren um eine individuelle Balance zwischen Risiko und Ertrag zu finden.

 

 

 

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